Kulturgemeinschaft Neuenknick e.V.
Neuenknick
Edwin Schmidt
Die "Streusiedlung" Neuenknick ist flächenmäßig eine der größten Ortschaften in der Stadt Petershagen. Sie liegt im eiszeitlichen Moränengebiet und wurde erst seit dem Mittelalter besiedelt.
Der Name Neuenknick weis auf seine Entstehung hin. Knicks nennt man die Wallhecken, die früher als natürliche Zäune die Gehöfte und Ackerflächen umgaben. Neuenknick bedeutet also neue Knicks, d. h. neue Ansiedlungen. Es ist zudem erwiesen, dass man von Döhren aus in den Wald hineinrodete, um neue Ackerfluren zu erschließen. Bei Jellinghaus heißt - knick auch: "Weil junge Bäume darin geknickt wurden".

Die Holge, eine Feldflur, war früher Döhrener Gemeinheit.1819 klagten die Döhrener gegen Neuenknick und pochten auf ihr "Hutungsrecht für alle Vieharten". Ein Teil des Husterbruches ist auch heute noch im Besitz von Döhrenern. Der südliche Teil der Ortschaft, vom Gehlberg herauf nach der Ils zu Depenbrock und Quinheide, ist von Windheim aus besiedelt worden.

Der Lusebrink ist mit 79,2 m die höchste Erhebung im Stadtgebiet Petershagen. Mit dem "Weißen Berg" am Steinhuder Meer und der "Uchter Börde" gehört der Lusebrink zu den Endmoränen der "Rehburger Phase", die vor 250.000 Jahren von den "Saaleeiszeitgletschern" gestaucht und geformt wurden. Rentierjäger schlugen hier vor 11.000 Jahren ihre Sommerlager auf und mit einiger Sicherheit ist anzunehmen, dass sich an dieser stelle Toten- oder Kultstätten befanden. Zahlreiche Urnen wurden gefunden, in denen neben Knochenresten oft noch kleine Gefäße (Grabbeigaben) erhalten waren. Vermutlich um die zum Christentum bekehrten Bewohner von dieser einstigen Kultstätte abzuhalten, gab man diesem Hügel den Namen:
Lausebrink = Lauseberg.

        Neuenknick-Östringhusen, Lindenauer Str.
         Station 5 der Wilhelm-Busch-Route
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          Halt dein Röslein nur im Zügel,
          Kommst ja doch nicht allzu weit.
          Hinter jedem neuen Hügel
          Dehnt sich die Unendlichkeit.

1832 - 1908 Wilhelm Busch

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       Neuenknick-Quinheide, Ilsberg
          Station 4 der Wilhelm-Busch-Route
Um 1910 war der Südabhang ein Sandloch. Sonnabends wurde dort der weiße Stubensand geholt, der sonntags in die Stube gestreut wurde. Nach 1933 wurde dieser Abhang umgestaltet und ein kleiner Fest- und Sportplatz angelegt. Die Schule nutzte ihn als Wettkampfplatz und der Reiterverein für Übungsstunden. Nach

der Flurbereinigung wurde der Lusebrink mit Kiefern bepflanzt. In der Mitte entstand nach dem ersten Weltkrieg ein Schießstand, der 1965 neu aufgebaut wurde und am 30 Juli 1966 anlässlich des
1. Bürgerschützenfestes offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde. Im August 2004 wurde mit umfangreichen Umbauarbeiten des Schießstandes begonnen. Die Stadt stellte für Materialkosten einen Betrag von 55.000 € zur Verfügung. Die meisten Arbeiten waren bis zum Bürgerschützenfest am 22.7.2006 erledigt. Am 12 Mai 2007 erfolgte die offizielle Einweihung in Form einer Helferfeier. Von der Nordwest-Seite aus hat man einen herrlichen Blick über das Urstromtal der Weser bis hin zu Porta Westfalica.

Bürgerbataillon

Neuenknick gehört zum Kirchspiel Windheim. Das bedeutet, dass seine Einwohner früher zu allen Jahreszeiten Wege zum Gottesdienst von acht bis zehn Kilometern zurücklegen mussten. Daher wurde im Jahre 1922 in Neuenknick ein Kirchverein gegründet, der 93 Mitglieder zählte und einen Jahresbeitrag von rund 1.000 Mark erbrachte. Bei dem Besuch hoher Geistlichkeit aus Berlin und Münster wurde dann 1926 die Notwendigkeit einer Kirche für Neuenknick anerkannt. Dank der rührigen Tätigkeit des "Amerikafahrers" Schmidt Nr. 10 konnte im Jahre 1931 durch Verhandlungen mit Verwandten in Amerika ein Grundstück für einen gemeindeeigenen Friedhof in Neuenknick und Bauland für den Bau einer Kirche erworben werden. Die Sammlung eines Kirchenbaufonds in Höhe von 34.000 RM ging mit dem Währungsschnitt 1948 verloren. In den Jahren 1948 bis 1950 folgten Beschlüsse, die zur Entscheidung führten. Als die Flurbereinigung begann, wurde der vorgesehene Bauplatz auf Initiative von Pfarrer Bachmann in der Nähe des Friedhofs auf den Schulgarten bzw. auf das Schulland verlegt. Am 23. März 1951 war Grundsteinlegung und nach vier Monaten erfolgte das Richtfest.
Am Reformationsgedenktag 1951 konnte der erste Bauabschnitt als beendet angesehen werden. Während des zweiten Bauabschnitts wurde beschlossen, keine Kapelle zu bauen, sondern die Kirche für einen zweiten Pfarrbezirk (Neuenknick) mit den Dörfern Döhren, Neuenknick, Seelenfeld und Rosenhagen zu errichten. Bei der festlichen Kirchweihe, die am 18. Oktober 1953 durch den damaligen Präses D. Wilm vollzogen wurde, erhielt die Kirche den Namen Friedenskirche. 1954 begann man mit dem Bau des Pfarrhauses, das im Herbst 1955 bezogen wurde. Am 11. September 1956 wurden die beiden geschmückten
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Kirchenglocken vom Bahnhof Döhren in einem feierlichen Festzuge abgeholt. Der Gemeindesaal, das Dietrich-Bonhoeffer-Haus genannt, wurde 1965 eingeweiht. Ein Jahr zuvor war der Friedhof nach Süden erweitert worden und durch Lehrer Kitzel bepflanzt worden. Am Totensonntag 1968 konnte die Friedhofskapelle eingeweiht werden.

Das zunächst als Schule dienende Fachwerkhaus wurde 1819 trotz mancher Schwierigkeiten durch einen Neubau ersetzt. Ein zweites Schulhaus konnte 1879/80 eingeweiht werden, und Neuenknick galt Anfang dieses Jahrhunderts als eigener Schulverband. Als das Schulgebäude aus dem Jahre 1819 nach 126 jähriger Benutzung baufällig wurde, begann man im August 1925 mit der Errichtung einer neuen Schule, die bereits 1926 eingeweiht werden konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste wegen der vielen Flüchtlingskinder aus den Ostgebieten Schichtunterricht eingeführt werden, und die Schule wurde viertklassig.

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Pläne für einen Erweiterungsbau scheiterten zunächst, doch konnte man schließlich im Jahre 1960 die Erweiterung des Schulgeländes mit einer Einweihung feiern. Am 2. Juni 2007 feierte die Schule mit einem großen Fest das 80-jährige Bestehen. Die höchste Schülerzahl hatte die Schule im Schuljahr 2001/2002 mit 123. Bis Ende des Schuljahres 2012/2013 sinkt die Schülerzahl auf 64 Schüler. Am 11. Januar 2011 fasste der Rat der Stadt Petershagen folgenden Beschluss: Zum Beginn des Schuljahres 2011/2012 wird die Grundschule Neuenknick auslaufend aufgelöst. Die endgültige Auflösung erfolgte zum Schuljahresende 2012/2013. Bis dahin diente das Gebäude als Grundschule für die Schulkinder aus den Ortschaften Neuenknick, Ilse, Rosenhagen und Seelenfeld. Die Stadt richtet nun in den Räumen das neue Stadtarchiv ein und wird so das Gebäude weiter nutzen und auch unterhalten. Auf dem ursprünglich für eine Mittelpunktschule vorgesehenen Grundstück wurde 1972/73 eine Sporthalle errichtet und eine großzügige Sportplatzfläche angelegt.

Eine besondere Sehenswürdigkeit Neuenknicks ist seine Bockwindmühle. Als der ehemalige Heringsfänger August Brockmeier im Jahre 1898 einige von ihm selbstgefertigte Dreschpflegel in Warmsen verkaufte,
lernte er auch die Mühlen des dortigen Mühlenbesitzers Mayland kennen. Nachdem er sich von der guten Beschaffenheit der bereits 1747 erbauten Bockwindmühle überzeugt hatte, erwarb er sie für 600 Taler. Zu Beginn des Jahres 1899 wurde sie Stück für Stück in mehrwöchiger Arbeit zerlegt und geordnet auf Fuhrwerke verladen, die Bauern aus Neuenknick zu Verfügung gestellt hatten. In einem Konvoi, bestehend aus 24 Wagen, wurden die Teile dann über Windheim nach Neuenknick transportiert. Hierbei wurde zur Überquerung der Weser die Windheimer Fähre benutzt. Da der Fährmann die Überführung der Wagen mit den sehr gewichtigen Mühlensteinen ablehnte, mussten diese Steine über die weit entfernte Brücke in Stolzenau transportiert werden. Im März 1899
Bochswindmühle
begann August Brockmeier, unterstützt von zahlreichen Helfern, mit demAufbau der Mühle. Im Herbst des Jahres 1899 konnte er sie in Betrieb nehmen, wobei zunächst nur ein Mahlgang für Schrot in Gang gesetzt wurde. Zwei Jahre später konnte ein zweiter Mahlgang für das Getreide eingebaut werden. 1925 wurde die Mühle zum Teil mit einem Diesel-Motor betrieben, und nach dem zweiten Weltkrieg ist auch die elektrische Energie genutzt worden. Anfang der fünfziger Jahre erkannte man die Bockwindmühle als einen Teil der bäuerlichen Kultur- und Arbeitswelt, die mit zunehmendem Einfluss des Industriezeitalters verloren geht. Um sie der Nachwelt zu erhalten, stellte man sie unter Denkmalschutz. Im Herbst 1982 wurden durch den Landeskonservator zahlreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt.

Am östlichen Ortsrand, im sogenannten Husterbruch, ist in den vergangenen Jahren ein weiterer Anziehungspunkt für die heimische Bevölkerung entstanden. In einem ungefähr vier Morgen großen Eichenwald sind von Heinrich Rode, einem einheimischen Landwirt, an die 600 Findlinge der unterschiedlichsten Größenordnung aufgestellt worden. Seit seiner Schulzeit von solcher Idee begeistert, hat Bauer Rode seine Vorstellungen verwirklicht und zur Bergung von Findlingen eine besondere Technik entwickelt. So waren teilweise 17 Schlepper erforderlich, um mit Hilfe einer Seilwinde jeweils die Findlinge zu bergen.
Nach dem Tode von Heinrich Rhode im Juli 2010 ging der Findlingswald in den Besitz der Stadt Petershagen über. Die Stadt hat das Vergaberecht für Veranstaltungen im Findlingswald im Jahre 2012 an die Kulturgemeinschaft Neuenknick übertragen.

Internationalen Rang hat seit Mitte der sechziger Jahre bestehende "Motorsportclub Neuenknick". Die Sandbahnrennen, die im "Speedway-Stadion Lindenau" - getauft auf den Namen vom Ehrenmitglied des SC Heinrich Meyer ab dem 22.8.1981 - stattfinden, lockten Ende der 70iger und Anfang der 80iger Jahre bis zu 14.000 Zuschauer an.
Für den Stadtbezirk von Petershagen stellte dieses jährliche Ereignis die größte Sportveranstaltung dar. Die heutigen Rennen werden vor weitaus weniger Publikum ausgetragen. Waren in den 80er Jahren die Rennen Vorläufe zu internationalen sowie Deutschen Meisterschaften, ist der Verein heute bemüht über Prädikatsläufe und entsprechende Rennen in der Bundesliga und in der internationalen Szene wieder Fuß zu fassen.
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Zudem gestalten das örtliche Vereinsleben in Neuenknick
Neuenknick - Stadt Petershagen
Bürgerbataillon Neuenknick
Gegründet 1965  1. Bürgerschützenfest 30./31.07.1966
Kommandeur Stefan Wiesinger


Löschgruppe Neuenknick.
Gegründet 04.12.1927
Löschgruppenführer Andreas Buck

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Jagdgenossenschaft Neuenknick
Vorsitzender Bernd Nahrwold

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Ortslandwirt der Landwirtschaftskammer
Walter Reinking

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Landwirtschaftlicher Ortsverband
Vorsitzender Jörn-Wilhelm Schäfer

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Schützenverein "Spiegel" Depenbrock
Gegründet im Jahre 1920
Vorsitzender Jens Otte

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Schützenverein "Einigkeit" Neuenknick
Gegründet 21.3.1950
Vorsitzender Carsten Gatzke

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Turn- und Sportgemeinschaft Neuenknick
Gegründet 25.9.1970
Vorsitzender Peter Thiele

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Die Aktivitäten erfolgen in Koordination und mit der Unterstützung der seit 1973 bestehenden Kulturgemeinschaft in der alle Neuenknicker Vereine sowie die Kirche, der Ortsbürgermeister, der Ortsheimatpfleger und der Ortslandwirt vertreten sind.
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